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AuK e.V., Allergie- und umweltkrankes Kind e.V.
Ortsverband Düsseldorf

Heuschnupfen ist heilbar

Prof. Dr. E. A. Stemmann

Die ISAAC-Studie an über 460.000 Kindern aus 56 Ländern hat ergeben, dass allergischer Schnupfen, Asthma, Neurodermitis nicht mit der Umweltbelastung korreliert sind, sondern nur in Ländern mit westlichem Lebensstil vermehrt auftreten. Die allergischen Krankheiten haben also etwas mit der Art zu tun, wie eine Gesellschaft lebt. So beinhaltet der western lifestyle u. a. Überforderungssituationen und Stress.

In einer Hamburger Studie wurden 31 Erwachsene zu den Bedingungen befragt, die sie als Betroffene als Grund für ihre Erkrankung an Heuschnupfen sehen. 30 Personen (97 %) befanden sich vorher in einer sehr belastenden Lebenssituation (u. a. Streitereien, Partnerprobleme) und 10 Personen (32 %) waren zu dieser Zeit zusätzlich mit hohen Arbeitsanforderungen konfrontiert.
Dass die Betroffenen zeitweilig mit ihrer Lebenssituation überfordert waren, unter Stress gestanden haben, ist anzunehmen.

Entstehung
Die Frage lautet, unter welchen Bedingungen führen überforderung und Stress zu einer allergischen Krankheit wie z. B. dem Heuschnupfen?
Es gilt das Gesetz, dass schwache und mittlere Reize die Lebensfähigkeit anfachen bzw. fördern, starke Reize dagegen sie hemmen und stärkste Reize sie sogar aufheben. Pollen für sich alleine dürfen für den Organismus eher einen schwachen Reiz darstellen und nicht in der Lage sein, einen Heuschnupfen zu erzeugen. Ganz anders stellt sich die Situation dar, wenn Pollen an einen starken oder stärkeren Reiz gebunden sind und über diesen einen Heuschnupfen verursachen.

Eine Allergie kann sich demzufolge ausbilden, wenn der Mensch Kontakt mit einer eiweißhaltigen Substanz (z. B. Pollen, Nahrungsmittel u. a.) hat und gleichzeitig (zufällig) eine Situation durchlebt, die ihn gefühlsmäßig überfordert und deshalb eine Versagenssituation provoziert, was einem Zusammenbruch der Abwehr gleichkommt. Hier wird der Schaden gesetzt, denn Schockerlebnis und eiweißhaltige Substanz, z. B. Pollen, werden zeitgleich vom Gehirn wahrgenommen und zusammen im Langzeitgedächtnis gespeichert. Pollen sind zum Allergen geworden.

Pollen sind deshalb zu einem Allergen geworden, weil sie bei einem künftigen Pollenkontakt das Gehirn an das traumatische Ereignis erinnern und eine Abwehrreaktion auslösen in Form
eines Stressreflexes, dem wenige Minuten später Jucken, Niesreiz, Naselaufen folgen (sogenannte allergische Sofortreaktion), siehe Abb. 1, ausgezogene Linie.

[Abb. 1 folgt]

Abb. 1 Heuschnupfenkranker: Verhalten seines Organismus bei Allergenkontakt

Dass dem Stressreflex eine entscheidende Rolle im allergischen Geschehen zukommt, ist im Prinzip tierexperimentell bewiesen. Wird z. B. das vegetative Nervensystem, das die Bronchien versorgt und über das der Stressreflex läuft, lädiert, so lässt sich ein zuvor bestehendes allergisches Asthma nicht mehr auslösen. Wird das vegetative Nervensystem, das die Haut eines Armes innerviert, unterbrochen, ist auf der Haut dieses Armes kein positiver Allergietest mehr zu erzielen.

Steigen zudem auch noch die Stresshormone an, so wandern in einer zweiten Reaktion Entzündungszellen in das durch die allergische Sofortreaktion betroffene Gewebe, d. h. die Nasenschleimhaut ein und erzeugen hier eine Entzündung,
diese sogenannte Spätreaktion, siehe Abb. 1, unterbrochene Linie, versacht allerdings erst ein Tag bis drei Tage nach Stressabfall Symptome.

Die nächste Frage, die zu stellen ist, lautet: Warum reagiert ausgerechnet die Nasenschleimhaut? Die Organwahl scheint über das Gehirn durch die Situation, das Empfinden des Betroffenen bestimmt zu werden. So ist bei Schreck gepaart mit Ohnmacht die Muskulatur erstarrt, könnte in einer Situation, in der es dem Betroffenen „stinkt“, in der er „verschnupft“ reagiert, nicht handelt, sich nicht wehrt die Nasenschleimhaut als Reaktionsgewebe festgelegt werden.

Ist der allergische Schnupfen erst entstanden, führt Beachtung der Krankheit zur Fixierung des Leiden (sogenannte Verstärker).

Therapie:
Solange der Betroffene unter Stress steht, hat er – so unglaublich es klingt – keine Beschwerden. Sichtbar werden die allergischen Symptome erst, wenn der Stressreflex abgelaufen ist, bzw. die Stresshormone abfallen. Was macht der Allergiekranke in einer derartigen Situation? Ganz einfach, er erzeugt halt weiter Stress, indem er als Medikament Stresshormone (z. B. Sympathomimetika, Kortison) in Form von Nasenspray, Tropfen, Tabletten zu sich nimmt und somit seine Symptome coupiert.

Im Leben sind Situationen bekannt, in den Allergien selten in Erscheinung treten. Das sind zum Einen Auslandsaufenthalte, Krieg, falls der Betroffene dadurch auf einem höheren Stressniveau lebt. Eine derartige Situation ahmt der Kranke gewissermaßen nach, wenn er sich durch vorbeugende, d. h. regelmäßige tägliche Anwendung von Sympathomimetika, Kortisonmedikamentös chronisch unter Stress setzt.

Die allergische Krankheit kann der Betroffene selbst heilen. Wenn es psychosomatische Krankheit gibt, so gibt es auch psychosomatische Gesundheit. Die Allergie ist erlernt und kann auch wieder verlernt werden. Die Allergiekranke muss seinen Lebensstress herabsetzen, hin zu mehr Ruhe und Sicherheit. Er muss wieder lernen, einen Rhythmus einzuhalten: Nach Anstrengung, Stress in der Woche haben z. B. am Wochenende Entspannung, Muße zu folgen. Ereignisse, die fortwährend Stress hervorrufen, müssen durch Entscheidungen geklärt und beendet werden. Doch das genügt noch nicht.
Durch ein gezieltes Stressimpfungstraining lernt der Betroffene, sich an stressauslösende Situationen so zu gewöhnen, dass sie keine Bescwerden mehr hervorrufen. Er muss sich z. B. der Situation stellen, die ihn verletzt hat und sie überwinden.
über ein entspannendes Verfahren, z. B. in Form des täglichen, morgendlichen autogenen Trainings, wird seine Reaktion auf Reize, die Stress auslösen, drastisch gesenkt und zudem ein hoffnungsvolles Grundgefühl erzeugt, das die Gesundung unterstützt. Für Kinder ist dass autogene Training das frei gewählte Spiel, in dem sie ihre Umwelt vergessen. Damit ahmt der Betroffene eine Lebenssituation nach, in der er trotz Allergenkontakt nicht mit Heuschnupfen reagiert – gemeint ist die entspannte Urlaubssituation.

Die Kontaktperson, der Partner, die Familie lernen, gesunde Verhaltensweisen des Kranken gezielt durch Beachtung, Ermutigung zu verstärken. Krankheitssymptome und das Verhalten des Betroffenen bei Beschwerden sind zu ignorieren. So darf der Betroffene „schniefen“ und sich die Nase reiben, schnäuzen, ohne dass es von der gesunden Umgebung kommentiert wird. Er darf auch nicht vor dem Kontakt mit den Pollen gewarnt werden.

Unterstützend wird die Nahrung auf eine Allergen- und säurearme Kost umgestellt. Bei einer Frühjahrspollenallergie sollten Apfel, Birne, Kirsche, Pfirsich u. a. gemieden werden, falls sie bei Verzehr Juckreiz im Mund auslösen. Kräuterpollenallergiker sollten Gewürze und Kräuter meiden, falls sie Symptome provozieren.

Hat der Betroffene sein Leben umgestellt und täglich sein autogenes Training vollzogen, dann wird sich auf Dauer sein Heuschnupfen verlieren. Zusätzlich bedarf der Betroffene der Unterstützung seiner nächsten Umgebung, die über die allergischen Mechanismen informiert sein muss, damit sie nicht ständig über den Heuschnupfen redet und ungewollt und unbewusst durch Beachtung und Zuwendung im Krankheitsfall den Heuschnupfen verstärkt. Sie leistet einen aktiven Beitrag bei der Selbstheilung des Heuschnupfens, wenn sie positive Fähigkeiten, die der Kranke besitzt, bewusst beachtet und so das Selbstwertgefühl des Betroffenen stärkt.
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